Lehmbauarbeiten



Informationen
Vor der Entscheidung mit Lehm zu bauen sollte man:

  • ein oder mehrere Lehmbaubücher lesen. Wir haben in erster Linie aus dem Buch "Das neue Lehmbau-Handbuch"  von Gernot Minke (ca. 35.- €) alle wesentlichen Informationen erhalten. Es gibt auch andere Bücher, die sich meist mit speziellen Lehmbautechniken befassen. 
  • im Internet die Web-Seiten des Dachverbands Lehm (http://www.dachverband-lehm.de/) und von Lehmbaufirmen (http://www.claytec.com/,  http://www.eiwa-lehmbau.de/http://www.texbis.de/, ...) besuchen und sich über die verschiedenen Produkte, Verarbeitungstechniken, Preise und Händler informieren. Gute Informationen bieten die Arbeits- und Produktblätter der Fa. Claytec, die im PDF-Format heruntergeladen werden können.
  • Lehmbauforen im Internet besuchen und dort die Fragen, Antworten und Diskussionen verfolgen und sich in eine Mailingliste (z.B. bei Lehmbau-Online http://www.lehmbau-online.de) eintragen.
  • ein Lehmbauseminar bei einem Lehmbauer besuchen. Das ist der einzige Weg, um beurteilen zu können was man z.B. in Eigenleistung im Lehmbau machen kann. Wir haben ein Lehmbauer in Oberbayern (e-mail: lehmbau-achtzehner@vr-web.de) für einen Tag "gemietet" und uns die Techniken Lehmstapelwand, Sichtmauerwerk mit Lehmsteinen und Verputzen mit Lehm zeigen zu lassen und selbst zu üben. Dieser Tag hatte genügt um entscheiden zu können, dass wir für ca. 2 Tage einen Lehmbauer mit Lehmputzmaschiene brauchen, um den Lehmputz an die Wände zu spritzen und dass wir alle anderen Lehmbauarbeiten selbst machen können.
Material
Uns wurde von verschiedenen Seiten (Lehmbauer, und Internetforen) empfohlen, die Lehmbaustoffe von der Fa. Claytec zu beziehen, da diese eine gleichbleibende Qualität gewährleisten. Daher haben wir über die Tübinger Firma Symbio Baubiologie und Wohnkultur  die von uns berechneten Mengen  bestellt.(13 Paletten Lehmsteine, 3 Bigbags Lehmmörtel 3 Bigbags Lehmputz, 19 Säcke Lehmfeinputz und 10 qm Lehmbauplatten).
Später hat sich herausgestellt, dass wir zu viele Lehmsteine hatten, da wir entgegen den Angaben der Fa. Claytec statt 37 Steine pro qm Lehmstapelwand nur 32 Steine/qm brauchten. Ebenso haben wir weniger Lehmsteine für die Lehmsteinsichtmauern gebraucht, statt 48 nur 45 Steine/qm.  Die übriggebliebenen Steine konnten wir aber sehr gut zur Trittschalldämmung unter dem Dielenboden verwenden. Die Menge von 3 cbm Unterputz hat genau gepasst. Vom Lehmmörtel hatten wir ca. 0,5 cbm zu viel und haben ihn als Schüttung zwischen den Lagerhölzern der Dielenböden im Erdgeschoß verbraucht.
Bei der Bestellung des Lehmmörtels haben wir aber einen Fehler gemacht. Die Zuschlagstoffe (Holzspäne) im Lehmmörtel waren zu groß, sodass die Fugen des Sichtmauerwerkes zu grob wirken. Ein ebenfals lieferbarer feinerer Mörtel wäre besser gewesen.
Lieferung
Am 11.08.2005 kam die Lieferung der Lehmmaterialien aus Viersen im Rheinland. Der Lastwagen konnte die Paletten und Bigbags nur am Straßenrand und auf einer planierten Grundstücksfläche absetzen. Zwar konnten wir den Baukran vom Nachbargrundstück mitbenutzen, aber die Paletten mit Lehmsteinen auf der planierten Fläche waren zum Teil so weit vom Kran entfernt, dass er in dieser Entfernung keine 1,2 Tonnen mehr heben konnte. Daher mussten wir einige Paletten per Hand umstapeln. 5 Paletten Lehmsteine haben wir beim Aufstellen des Hauses vor dem Auflegen des Daches mit dem Kran auf die Erdgeschoßdecke gehoben. Das hat uns wiederum einiges an Steinetragen erspart.
Die Bigbags mit Lehmputz haben wir mit dem Kran möglichst nahe zum Haus mit Platz zum Aufstellen der Lehmputzmaschinen gestellt. 
Werkzeuge

Folgende Werkzeuge haben wir speziell für den Lehmbau verwendet:
  • 60 Liter Zwangsmischer (Kübelmischer) Neupreis 450.- €  (Bild 1) Dieser Mischer hat uns beste Dienste erwiesen. Wir haben nicht nur allen Lehmmörtel und den  Lehmfeinputz damit gemischt , sondern auch Estrichbeton für 40 qm, da der Trommelmischer nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab. Beim Mischen des Feinputzes (trockene Sackware) haben sich Knollen von den im Putz befindlichen Tier- und Pflanzenfasern gebildet, die beim Verputzen stören. Mit einem einfachen Rührquirl an der Bohrmaschine lies sich der Feinputz in geringen Mengen etwas besser verrühren.
  • Zum Verputzen haben sich die im Bild 2 und Bild 3 gezeigten Kellen als gut erwiesen. Wichtig ist eine gute Rechteckkelle mit abgerundeten Ecken, da man sonst beim Einputzen des Armierungsgewebes ständig an scharfen Ecken hängen bleibt.
  • Zum Zuschneiden der Lehmsteine wird eine elektrische Alligator-Säge (elektrischer Fuchsschwanz, Ytong-Säge) benötigt, da das Zersägen mit einer Handsäge zu mühsam ist. Wir haben eine einfache Black&Decker Alligatorsäge mit einem Hartmetalsägeblatt gekauft (180 € für die Säge und 60 € für das Sägeblatt). Eine Profisäge ist nach unseren Erfahrungen nicht nötig, die Säge arbeitet noch einwandfrei. Das Zersägen der Lehmsteine geht sehr leicht, mit geringem Druck schneidet die Säge innerhalb von 15 sek einen Lehmstein quer. (Bild 4) Insbesondere beim Mauern des Sichtmauerwerkes mit den Aussparungen für die Elektroinstallation und zum Anpassen an die Gefachbreiten müssen sehr viele Steine zerschnitten werden.
  • Zusätzlich werden noch folgende Werkzeuge benötigt, die auf einer Baustelle sowieso vorhanden sind:
    Schwammbrett, Schwamm, Richtlatte, Wasserwaage, Fugenkelle, Maurerhammer..

Bild1

Bild2

Bild3

Bild4
Lehmstapelwand mit  Wandheizung
Vor den Innenseiten aller Außenwände des Hauses wurden Lehmstapelwände mit integrierter Heizung errichtet. Wir sind folgendermaßen vorgegangen:
  1. Elektroinstallation   

    Die Unterpuzdosen für die Steckdosen und Schalter an den Außenwänden werden an den vorgesehenen Stellen auf ein Abstandsholz an die OSB-Platte der Außenwand geschraubt. Das Abstandsholz muß so dick sein, dass der Dosenrand später unter Berücksichtigung der Lehmsteindicke (7,5 cm) sowie der Unterputz- (1,5 cm) und Feinputzstärke (0,3 cm) eben mit der Putzoberfläche liegt. Es wurden Geräte-Verschaltungsdosen mit einer Tiefe von 63 mm verwendet, da die Verschaltung in den Dosen vorgenommen wird. Die Kabel werden auf dem Rohfußboden an der Außenwand hinter der unteren Stapellatte (6x6 cm) entlang geführt und von unten in die Dosen eingeführt. (In Bild 1 ist die eine untere Stapellatte noch nicht an die Außenwand gerückt).
    Bei Dosen für hochliegende Steckdosen, Schalter oder Lichtauslässe werden die Kabel erstmal lose an der Wand hochgeführt, sie werden später beim Anschrauben der Stapellatten fixiert, umstapelt oder durch Schlitze in den Lehmsteinen geführt. (Bild 2)
    Die Installation von Dose zu Dose ohne obenliegende Verteilerdosen und die Kabelführung von unten ist erforderlich, wenn die Lehmstapelwand, wie bei uns, oben an Sichtbalken und Sichtdecken stößt, da eine Kabelführung über Sichtholz optisch wohl nicht in Frage kommt.
    Die durch die Deckendurchbrüche vom Keller kommenden zum Obergeschoß führenden Kabel für Steckdosen, Lichttaster; Licht, Kommunikations- und Antennendosen,  werden mit Kabelbindern gebündelt, an der Wand mit Lochstreifen befestigt und ggf mit den isolierten Heizungsrohren mit Schilfrohrmatten abgedeckt. Die Schilfrohrmatten können einfach mit einem Elektrotacker auf die Lehmsteine oder Stapellatten getackert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Bündel mit mindestens 1 cm überputzt werden können. (Bild 3)
    Die mit einer Schraube befestigten etwas lose sitzenden Dosen werden mit Lehmsteinen und Lehmsteinbruch umstapelt und zum Schluß mit Lehmmörtel eingemauert und mit Zeitungspapier ausgestopft. (Bild 4)

  2. Installation der Sanitäranschlüsse

    Die Zu- und Abwasserleitungen werden mit Lochband direkt auf die OSB-Platten geschraubt. Die Anschlüsse für Amaturen und Eckventile werden auf Abstandslatten geschraubt, die die richtige Stärke für das wandebene Einputzen haben. (Bild 5)
    Die Abwasserleitungen aus 50 mm Kunstoffrohr werden unter dem Auslass senkrecht nach unten geführt und dann mit dem nötigen Gefälle bis zum nächsten Deckendurchbruch. In diesem Fall werden die  6x6 cm Bodenlatten für die Stapelwand waagerecht über das Abwasserrohr so an die Außenwand geschraubt, dass die Schrauben (6x120) durch die OSB-Platte in die senkrechten Wandbalken treffen. Die Lage der Wandbalken kann man an den Tackerklammern erkennen mit denen die OSB-Platten an die Balken getackert sind.  (Bild 6) Die Zwischenräume zwischen Bodenlatte, Rohr und Boden werden mit Lehmsteinbruch und Lehmmörtel vor dem Verputzen ausgefüllt.
    Alle Leitungen und Anschlüsse werden mit ggf zurechtgeschnittenen Lehmsteinen umstapelt.

  3. Lehmsteine stapeln

    Die Lehmsteine werden auf die 6x6 cm starke Bodenlatte mit einem Abstand von ca. 1 cm in einer Reihe gelegt und mit der Fläche (24x11,5cm) an die Wand gelehnt. Die nächste Reihe wird um mindestens 1/4 Steinbreite versetzt auf die untere Reihe gestapelt. Die Steine werden möglichst so hingestellt, dass sie von alleine an die Wand lehnen. Das war bei unseren Steinen immer dann der Fall, wenn die etwas glattere Seite der Steine  nach vorne zeigte. Diese Seite lag beim Trocknen unten, die Gegenseite trocknete schneller und der Stein wurde leicht trapezförmig. Nach 4 Lagen haben wir in der Regel die nächste 4x6 cm starke Befestigungslatte  mit der schmalen Seite an die Wand geschraubt. Wir haben alle Schraublöcher schräg von oben nach unten vorgebohrt und die Latte mit den Schrauben mit Druck auf die gestapelten Steine fest an die OSB-Platten geschraubt. Alle Latten müssen sägerauh verarbeitet werden, damit der Putz besser hält.
    Da die Wandheizungsrohre auf Befestigungslatten in vorgegebenen Höhen geschraubt werden mussten, konnten wir den waagerechten Lattenabstand von 4 Steinreihe nicht immer einhalten, sodass 2, 3, 4 und 5 reihige Stapellung vorkam. Steine die nach dem Anschrauben der Befestigungslatten noch wackelten haben wir mit Schrauben und Unterlegscheiben zwischen zwei Steinen im waagerechten Stapelschlitz an die Wand geschraubt. Das kam insbesondere bei der 5-reihigen Stapellung vor. Nach dem Anschrauben waren alle Steine fest. (Bild 7)

  4. Wandheizung einbauen

    Die gesamte Wandheizung wird mit 15 mm Kupferrohren aufgebaut. Die Länge und der Verlauf der Heizungsrohre in der Lehmstapelwand richtet sich nach dem Wärmebedarf der Räume und der Lage der Türen und Fenster. Als Faustregel gilt, dass 1 Meter Kupferrohr bei einer Vorlauftemperatur von 65 Grad eine Wärmeleistung von ca. 40 Watt abgibt. Pelletsheizungen arbeiten bevorzugt mit dieser Vorlauftemperatur. Die Fenster und Türöffnungen werden von Kupferrohren umrahmt oder rechts und links mit extra Heizbögen versorgt, so dass die geringere Wärmedämmung der Verglasung ausgeglichen wird und keine Kälte von diesen Bereichen ausgeht. Der genaue Verlegeplan muss von einem Heizungsplaner unter Berücksichtigung der Isolationswerte der verwendeten Baustoffe, der Raumgrößen, Himmelsrichtungen usw. berechnet werden. Für unser Haus hat diese Berechnungen unser Freund Jörg Hofmann durchgeführt
    Vom Heizkreisverteiler im Keller führen je zwei isolierte Kupferrohre in jeden Raum.Vor Verlegung der Kupferrohre werden  senkrechte Schlitze nach Verlegeplan mit einer kleinen Handflex mit Hartmetalblatt in die Lehmsteine geflext. Das staubt zwar fürchterlich, geht aber sehr schnell. Der Staub wird mit einem Staubsauger direkt unter der Flex abgesaugt. (Bild 8) Die Kupferrohre werden dem Verlegeplan entsprechend mit Fittinge verlötet, die waagerechten Leitungen auf die Stapellatten mit Lochband geschraubt und in die senkrechten Leitungen entweder in die  vorbereiteten Schlitze gelegt oder auf senkrechte Latten geschraubt. (Bild 9 und 10) Bei der Festlegung der Höhen der waagrechten Stapellatten muss der Verlauf der Heizungrohre bereits berücksichtigt werden. Da die Stapellatten eine Dicke von 6 cm haben und die Lehmsteine ca 7,5 cm dick sind, hat die Oberfläche der 15 mm Rohre in etwa den gleichen Abstand von der Wand, wie die Lehmsteine.

  5. Fenster-und Türlaibungen vorbereiten

    Die Fenster- und Türlaibungen sollten bei uns aus Lehmputz mit einem großen Rundungsradius von 8 cm gefertigt werden. Dazu werden die 6x4 Latten seitlich neben den Laibungen in einem Abstand an die Wand geschraubt, der den 8 cm-Radius der späteren Lehmlaibung berücksichtigt. Mit dem gleichen Abstand werden die Stapellatten über den Fenstern angeschraubt. Da unter den Fenstern das Fensterbrett eingeputzt wird, brauch hier kein Radius berücksichtigt zu werden. (Bild 11) Da der Lehmputz auf den abgeklebten Fenster/Türenlaibungen nicht hält, werden Schilfrohrmatten so aufgetackert, dass der Laibungsradius vorgeformt wird. (Bild 12) Die Schilfrohrmatten werden mit Lehmputz von Hand vorgeputzt und der Radius dabei grob vorgeformt. (Bild 13)

  6. Unterputz

    Bevor mit dem Putzaufspritzen begonnen wurde haben wir alle gestapelten Wände mit einem Maßstab fotografiert, um die Lage der Stapellatten, Installationsleitungen, Kabelbündel und Heizungsrohre zu dokumentieren. (Bild 14) Außerdem wurde Alles in der Nähe der zu verputzenden Flächen gut mit Folien abgeklebt. Lehm läst sich zwar gut mit Wasser abwischen, doch bei längerer Einwirkung über mehrere Tage können ggf Flecken auf rohem Holz zurückbleiben. Daher haben wir das Sichtholz im ganzen Haus vorher mit BIOFA Universal Hartöl Nr. 2044 eingeölt.
    Damit die Wärmeausdehnung der Kupferrohre später nicht zu Rissen führt, werden die Rohre heiß eingeputzt.
    Das Einputzen der 135 qm Lehmstapelwände haben wir mit 4 Mann (genauer: 3 Mann und eine Frau, die aber locker ihren Mann steht) an zwei Tagen erledigt.
    Da man die ca. 4 Tonnen Lehmputz nicht mit der Hand mischen und an die Wand werfen kann, braucht man einen für Lehmputz geeignete Putzausrüstung. Wir haben eine Lehmbauer aus Tübingen für 2 Tage mit seiner Ausrüstung gemietet. Den Lehmbauer Andreas hat uns das Geschäft Symbio, Biobaustoffe in Tübingen vermittelt. Da wir die BigBags mit dem Lehmputz nahe ans Haus gestellt hatten und Platz zum Aufbau des Zwangmischers, des Kompressors und der Putzmaschine eingeplant war, waren wir in kurzer Zeit mit dem Aufbau fertig. (Bild 15)  Zum Anschließen der Lehmputzmaschinen waren zwei Drehstromanschlüsse notwendig, die ich vorher schon eingerichtet hatte.
    Zum kontinuierlichen Arbeiten wurden die 4 Kräfte folgendermaßen eingeteilt:
    Arne übernahm das Mischen des Putzes. Er stand auf den Bigbags und schaufelte den Lehmputz in den Zwangsmischer, gab die richtige Menge Wasser dazu und ließ die fertige Mischung in die unter dem Zwangsmischer stehende Putzmaschine fließen.
    Andreas befeuchtete die Wände vor dem Verputzen mit Wasser(Bild 16) und spritzte dann mit dem Spritzrohr die Wände mit der richtigen Menge Lehmputz gleichmäßig ein. (Bild 17, 18 und 19) Dabei achtete er darauf, dass der Lehmputz die Stapelzwischenräme ganz ausfüllt. Da Andreas sehr schnell den Putz aufspritzte, konnte er uns zwischendurch bei den weiteren Arbeiten helfen. 
    Ich zog die eingespritzte Wand mit Richtlatte und Kelle möglichst gerade ab und formte die Laibungen mit der Kelle vor. (Bild 20 und 21)
    Dela putzte im richtigen Moment (Putz ist noch weich, klebt aber nicht mehr am Knöchel) die vorbereiteten Armierungsbahnen mit der abgerundeten Kelle in die Putzoberfläche. Dabei zeigte sich, dass die 8 cm Rundungen der Laibungen mit dem etwas steifen Glasfaser-Armierungsgewebe gut geformt werden können. (Bild 22)
    Am Abend des ersten Tages hatten wir etwa die Hälfte der Flächen verputzt. Der Lehm an den Werkzeugen wurde kurz in Wasser abgewaschen, während der Lehmputz in dem Zwangsmischer, der Putzmaschine und in den Putzschläuchen nur abgedeckt wurde. Es kann am nächsten Tag gleich weitergearbeitet werden.
    Der zweite Tag lief genau wie der erste Tag ab und wir waren am frühen nachmittag fertig. Die drei BigBags mit Lehmputz hatten wir genau verbraucht. Nun mußten die Putzmaschinen gründlich mit Wasser gereinigt und die Schläuche mit Putzbällen durchgespült werden.
    Das Verputzen der Lehmstapelwände mit Hilfe eines Lehmbauers mit seinen Maschinen hat sich sehr gut bewährt. Die zwei Tage waren anstrendend wegen der ungewohnten Putzarbeit, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.
    Nun musste der Putz trocknen. Schon nach einigen Stunden war der Putz über den warmen Heizungrohren getrocknet. (Bild 23) Da das Wetter sehr sonnig war und wir weiter heizten, waren alle Räume nach ca. 10 Tagen trocken.

  7. Feinputz

    Als Feinputz haben wir Claytec Feinputz 10.011 verarbeitet. Der Putz wird in Säcken geliefert und muss nur noch mit Wasser angerührt werden.
    Der Feinputz darf erst aufgetragen werden, wenn alle Flächen trocken sind. Das kann man sehr gut an der hellen Farbe des Unterputzes erkennen. Da der Feinputz nur dünn (ca. 2-3mm) aufgetragen wird, kann er mit der Kelle aufgezogen werden. Wir haben den Putz zuerst mit unserem 60 Liter Zwangsmischer angemischt. Dabei zeigte es sich, dass sich die feinen Tier- und Pflanzenhaare im pulvrigen Putz  an den Rührstäben ansammelten und Haarknollen bildeten, die beim Putzen stören und immer wieder entfernt werden müssen. Daher haben wir einen Teil des Feinputzes mit einem normalen Rührquirl an einer Bohrmaschine angerührt. das geht etwas besser, aber auch hier sammelten sich Haarknollen an. Bild 24 zeigt die Konsistenz und Farbe des Feinputzes.
    Vor dem Aufziehen des Feinputzes wir der Unterputz mit einem groben Reibebrett abgerieben um Unebenheiten und Knubbel zu entfernen. Dann wird die Oberfläche gut benetzt. Das haben wir mit einer Gartenspritze gemacht, da mit einem Gartenschlauch nicht so gezielt und dosiert gearbeitet werden kann. Nach dem Vornässen wird der Feinputz mit der Kelle aufgetragen, wobei in Ecken und in Winkeln mit kleineren und dreieckigen Kellen gearbeitet werden kann. Sobald der Feinputz anzieht wird er glattgerieben. Wir haben ausschließlich mit Schwammbrett und Handschwamm gearbeitet. Der richtige Zeitpunkt ist dann erreicht, wenn der Putz mit einem feuchten Schwamm verrieben wird und weder wegschwimmt, noch zu stark gerieben werden muss. Der Zeitpunkt ist nicht so kritisch, da er durch Einsprühen mit Wasser stark verzögert werden kann.
    Die Bearbeitung der runden Laibungen dauert länger als die einer glatte Fläche, da die Rundung und insbesondere die Ecke zweier Rundungen gleichmäßig gestaltet werden müssen. (Bilder 25 bis 27)
    Die so zu erzielende Oberfläche ist glatt und wolkig in der Farbe. Man erkennt die feine Lehmstruktur. (Bild 28)

  8. Oberfläche

    Die Behandlung der Putzoberfläche ist gemeinsam für das Sichtmauerwerk weiter unten bei "Oberflächenbehandlung" beschrieben.

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Sichtmauerwerk aus Lehmsteinen
Alle Innenwände, mit Ausnahme der Wände der Nebenräume, wurden mit Lehmsteinen als Sichtmauerwerk ausgeführt. Wir haben die gleichen Steine wie für die Lehmstapelwand (Claytec NF 1500) auch für das Sichtmauerwerk verwendet. Beim Errichten der Lehmstapelwand haben wir die guten Lehmsteine aussortiert um sie für das Sichtmauerwerk zu verwenden. Es gibt auch extra glatte, mit Phase versehene Steine für Sichtmauerwerk, die eine "feineres" Bild ergeben. Sie sind aber deutlich teurer.
Als Mörtel für das Sichtmauerwerk haben wir Leichlehm-Mauermörtel erdfeucht im BigBag verwendet. Da dieser Mörtel mit Holzspänen gemischt ist, wird das Fugenbild des Sichtmauerwerks sehr grob.  Soll das Sichtmauerwerk nicht zu rustikal erscheinen, sollte man besser Lehmmörtel ohne grobe Zuschläge verwenden.
Die Sichtmauerwände werden in die Gefache der Holzständer gemauert. Für jedes Gefach haben wir folgende Arbeitsreihenfolge eingehalten:
  1. Abkleben der umgebenden  Holzbalken und Decken mit Folie.
  2. Verlegen der Elektrokabel

    Zu den Steckdosen, Schaltern und Thermostaten, die im Sichtmauerwerk liegen müssen alle Kabel von unten herangeführt werden, da eine Weiterführung der Kabel vom Schalter zum Lichtauslass nach oben über die Deckenbalken und die sichtbare Holzdeckenschalungen nicht möglich ist. Die Kabel werden neben den Bodenbalken bis zu den entsprechenden Holzständern geführt, die den Elektrodosen am nächsten sind. Der Bodenbalken wird am Ständer schräg von der Mitte nach unten bis kurz über den Boden durchbohrt und das Kabel durch dieses Loch innen am Ständer nach oben bis zur Höhe der einzumauernden Dose geführt. (Bild 1) Die auf dem Boden geführten Kabel werden später vom Dielenfußboden verdeckt.
    Beim Hochmauern wird an den entsprechenden Stellen ein Holzrahmen für eine oder mehrere Dosen eingemauert. Diese Holzrahmen wurden vorher angefertigt und sind 42 mm tief, sodass sie normale Unterputzdosen aufnehmen können. Es können zwei Dosen auf der gleichen Höhe auf beiden Seiten des Mauerwerks montiert werden, da die Mauerdicke ja 11,5 cm beträgt. (Bild 2 und 3) Die Kabel werden beim Mauern in der Mitte zwischen den Rahmen herausgeführt und später in den entsprechenden Dosen verschaltet.
    Muss eine Dose nur auf einer Seite eingemauert werden, wird der Lehmstein mit der Alligatorsäge so eingesägt, dass nur auf einer Seite der Stein ein Loch für die Dose hat. (Bild 4)
  3. Anschluß an die Gefachbalken

    Auf die Mitte der senkrechten Seiten der Gefachbalken wird eine Dreiecksleiste oder rechteckige Leiste aufgenagelt. Die kleine Steinseite wird mit Mörtel bestrichen und an die Leiste herangeschoben bis der Hohlraum komplett mit Mörtel angefüllt ist. (Bild 5)
    Müssen am senkrechten Gefachbalken Kabel geführt werden, so müssen diese in kurzen Abständen in der Mitte des Balkens dichtaneinander oder übereinander geführt und mit Nagelschellen gut befestigt werden. Sie ersetzen in diesem Fall die Dreieckleisten und müssen die waagerechten Kräfte der Mauer aufnehmen können.
  4. Ausmauern der Gefache

    Vor dem Ausmauern und dem Zurechtschneiden der Lehmsteine wird das Mauerbild festgelegt. Es ist abhängig von der Breite des Gefaches. Wir haben das Mauerbild immer so gewählt, dass die senkrechten Fugen mit einer Reihe Abstand jeweils übereinander liegen. So wird ein ruhiges Mauerbild erzielt.
    Bei einem rechtwinkligen Gefach können dann die Breiten der zu schneidenden Steine errechnet und für das gesamte Fach geschnitten werden. (Bild 6 und7)
    Um die Anzahl der Steinreihen zu errechnen wird die Höhe eines Gefaches ausgemessen und durch 9 geteilt. (Steindicke 7,5 cm plus Fugenbreite z.B. 1,5 cm) Nun werden die Höhen der Steinreihen an den senkrechten Balken rechts und links angezeichnet, sodass man beim Hochmauern bei jeder Reihe die Kontrolle über den waagerechten Verlauf und die gleichmäßige Fugendicke hat.
    Man beginnt mit einer Mörtelschicht auf dem Bodenbalken und setzt die erste Steinreihe mit gleichmäßigem Fugenabstand. Die zweite Reihe wird entsprechend versetzt mit den vorbereiteten Steinen gemauert. Sind die beiden ersten Reihen genau gemauert, können die weiteren Reihen daran kontrolliert werden.
    Nach Fertigstellung einer Reihe kann ein Stück 1/2 Zoll-Wasserschlauch in die frische Fuge gedrückt werden, um eine gleichmäßige Rundung der Fuge nach innen zu erzielen.  Nach max.10 Reihen beginnt man ein neues Gefach, damit der Mörtel  trocknen und sich die Steinreihe setzen kann. Am nächsten Tag kann in der Regel weitergearbeitet werden.
    Nach der vorletzten Reihe,  mauert man vorerst nicht weiter und wartet einige Wochen bis die Mauer sich vollständig gesetzt hat. Erst dann wird die letzte Reihe mit entsprechend schmal geschnittenen Steinen fertiggestellt.

    Die Bilder 8 bis 11 zeigen verschiedene Phasen bei der Entstehung der Sichtmauern.

    Das Bild 12 zeigt im fertigen Wohnraum eine Sichtmauerwand mit fehlender letzten Reihe.

    Sämliche Sichtmauern wurden von der Bauherrin Dela gemauert !

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Oberflächenbehandlung
Die Oberflächen des Sichtmauerwerks und die verputzten Flächen müssen behandelt werden, um das Aussanden zu verhindern und das Eindringen von Flüssigkeiten und Schmutz zu vermindern.
Da besonders die Lehmsteine stark sanden, wurde die Oberfläche der Sichtmauern mit einer Wurzelbürste abgerieben. Vom Lehmputz haben
wir die losen Teile mit einem Tuch abgerieben.
Auf die so vorbereiteten Flächen haben wir selbst hergestellte Mischungen aus Quark, Kalk, ggf Farbpigmente und Wasser aufgetragen. Auch eine Mischung aus Quark, Kalk, Lehmpulver und Wasser haben wir ausprobiert.
Der
kartonweise im Discountmarkt eingekaufte Magerquark (Bild 1) und einen Sack Kalkhydrat aus dem Baumarkt kosten nur wenige Euro. Die Farbpigmente aus dem Bio-Bauladen sind schon etwas teurer, aber insgesamt  fallen die Kosten für die Oberflächenbehandlung mit Quark-Kalk-Mischungen nicht ins Gewicht.
Die Farbmischungen wurden entweder mit dem Pinsel aufgetragen oder mit der Gartenspritze.
Alle Mischungen machen die Oberfläche wasserabweisend und verhindern das Aussanden.
Folgende Mischungen haben wir verwendet (Angaben in Volumenteilen):

  • Farbloser Anstrich
1 Teil Quark, 2 Teile Wasser und 1/8 Teile Kalk

Diesen Anstrich haben wir für die Mehrzahl der gemauerten und verpuzten Wände benutz. Angerührt wurde mit einem Quirl in der Bohrmaschine, die nicht zu schnell laufen sollte, um zuviel Blasenbildung zu vermeiden.  Die Mischung wurde in den 5-Liter-Tank einer Gartenspritze gefüllt, Druck aufgepumpt und mit zerstäubendem Strahl auf die Wand gesprüht. Fals zuviel  aufgesprüht wird, bilden sich Tropfen, die mit einem Tuch sofort abgewischt werden müssen. Man kann so große Flächen in kurzer Zeit bearbeiten. (Bild 2)
  • Weisser Kalkanstrich
1 Teil Quark, 2 Teile Wasser und 3 Teile Kalk

Diese Mischung für die weisse Wand im Bad muss mehrfach mit dem Pinsel aufgetragen werden um eine gleichmäßige, weisse Fläche zu erhalten. (Bild 3)
  • Anstrich mit Lehm
5 Teile Quark, 5 Teile Lehm, 1 Teil Kalk, kein Wasser

Die Mischung mit Lehm hat eine cremige Konsistenz und muß mit einem dicken Pinsel oder Quast aufgetragen werden. Sie überzieht die Wand mit einer Schlämmschicht, die starke Löcher und Unebenheiten egalisiert. Sie ist sehr widerstandfähig. (Bild 4)
  • Anstrich mit Farbpigmenten
1 Teil Quark, 2 Teile Wasser, 3 Teile Kalk und Farbpigmente nach Bedarf (Probe machen)

Diesen Anstrich haben wir zum Streichen der verputzten Wand im Bad verwendet. (Bild5)


Alle mit Quark hergestellten Farben haben den Nachteil, dass sie innerhalb ca. 4 Stunden verarbeitet werden müssen und nicht länger halten. Man kann daher keine Farbe aufheben, um bei Verschmutzung einer gestrichenen Wand mit dem gleichen Farbton auszubessern.
Durch Verwendung von teuren Lehmfarben kann man diesen Nachteil vermeiden. 
Da die mit den Quark-Mischungen behandelten Flächen ohne Probleme mit den Lehmfarben überstrichen werden können, kann man die Möglichkeit  mit Lehmfarben zu gestalten auch später noch nutzen.


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Sonstiges mit Lehm
Lehmsteine eignen sich wegen ihres großen Gewichts auch gut zur Trittschallisolierung von Fußböden. Wir haben daher die restlichen Lehmsteine zwischen die Lagerhölzer der Dielenböden des Obergeschosses gelegt und in die Zwischenräume Quarzsand eingefegt. (Bild1)

Da wir nicht genug restliche Lehmsteine für alle Dielenböden hatten, aber noch 1/2 Tonne Lehmmörtel übrig war, haben wir diesen im Erdgeschoß anstelle der Steine zwischen die Lagerhölzer geschüttet und zusammengetreten (Bild 2)

Die Bilder 3 bis 5 zeigen die Beseitigung eines Missgeschicks, das nur bei einer Lehmwand so einfach beseitigt werden kann. I
m unteren WC haben wir die Rohre für die Wandheizung auf die Spanplatten der Innenwand verlegt, da die Außenwand mit dem Installationschacht verdeckt ist. In die Zwischenräume der Heizungsrohre haben wir Lehmbauplatten auf die Spanplatte getackert. Diese Platten bestehen aus mit Lehm beplankten Schilfrohrmatten und sind 2 cm dick. Danach wurde die Wand mit Lehmfeinputz verputzt.
Beim Bohren eines Loches für eine Hohlraumdose habe ich mit dem Bohrkranz ein Loch in ein Heizungrohr gebohrt. Der Lehm über dieser Stelle wurde sofort nasst. Nach Abstellen des Heizkreises im Keller wurde der schon aufgeweichte Lehm abgenommen und die Schadstelle freigelegt. (Bild 3)
Die beschädigte Stelle des Rohres wurde ausgesägt (Bild 4) mit Fittingen ein neues Stück Rohr dazwischengelötet (Bild 5) und die geöffnete Stelle wieder mit Lehmputz verschlossen. Nach Trocknen des Putzes wurde die Stelle neu überstrichen und ist nicht mehr zu erkennen.

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